Die Polizei versagt …. wir sind Schuld! Und fahren trotzdem: Freitag!

Alle Jahre wieder wird Anfang des Jahres die Verkehrsunfallstatistik den Pressevertretern durch die Kölner Polizei erläutert. Und alle Jahre wieder heißt das: es wird nur wenig, meist nicht oder gar überhaupt nicht besser. Für 2016 konkret: es ist schlimmer geworden, die Unfälle haben zugenommen.

Aber, natürlich, es muss Schuldige geben und das können -da tickt der neue Polizeipräsident nicht anders als der alte- niemals einfach nur dumme, egoistische und unvorsichtige Menschen sein, sondern das sind meistens -ganz aus der Sicht eines Menschen, der die Windschutzscheibe regelmäßig von innen und sieht (und vermutlich vor Zorn bespuckt)- in alter schwarz/weiss Manier: die bösen, bösen Radfahrer! Anders kann man sich diese (und andere) Aussage von Herrn Mathies laut „Kölner Stadtanzeiger“ wohl nicht erklären:

“ „Radfahrer wollen mehr Raum auf der Straße“, stellte Mathies fest, „das ist auch nachvollziehbar.“ Sie sollten sich andererseits aber auch an die Regeln halten, forderte der Polizeipräsident. Vor allem von Interessenverbänden wie etwa der „Critical Mass“-Bewegung wünsche er sich, dass sie in den eigenen Reihen noch stärker darauf hinwirkten. Kein Verständnis habe er, dass viele Radfahrer uneinsichtig reagierten, wenn Polizeibeamte sie auf Fehlverhalten ansprächen.“

„Wir“, werter Herr Mathies, haben kein Verständnis dafür, daß viele Polizeibeamte Fehlverhalten ansprechen, das gar keines ist und uneinsichtig –im Zweifel mit Gewalt– sind, wenn „wir“ sie darauf hinweisen.

„Wir“, Herr Mathies, haben kein Verständnis dafür, daß „wir“ als „Interessenverband“ (was immer Sie sich darunter vorstellen) durch angeblich mangelndes „Hinwirken“ auf Regeln in irgendeiner Art und Weise unterschwellig für mangelnde Regelakzeptanz verantwortlich gemacht werden, während Ihre Beamten nicht fähig oder willens sind, einfachste verwaltungsrechtliche Maßnahmen, wie eine Verkehrsschau gemäß VwV-StVO, durchzuführen.

„Wir“, Herr Mathies, können nichts dafür, daß die Kölner Polizei in all ihren Aktivitäten in der letzten Dekade, wie z.B. der Initiative „Velo2010“, komplett versagt und sämtliche Ziele verfehlt hat. Und zwar ohne Ausnahme!

„Wir“, Herr Mathies, verstehen es nicht, daß Sie und Ihre Beamten weder fähig noch willens sind, die Welt und insbesondere den Straßenverkehr, aus der Sicht eines Radfahrers und besonders einem, der das Rad nicht nur für ein paar Kilometer, sondern als regelmäßiges und einziges Verkehrsmittel nutzt, zu sehen. Anders sind Ihre kläglichen, viele sagen auch: lächerlichen, Versuche, Prävention zu betreiben, nicht zu erklären. Für „Köln steht bei rot“ werden Sie genauso ausgelacht, wie für alle anderen „Fahrradaktionstage“ der Kölner Polizei, an denen ausschließlich …. Radfahrer repressiv behandelt werden.

„Wir“, Herr Mathies, empfinden es gleichzeitig als unverschämt, daß die Verkehrsteilnehmer, von denen ein ungleich höheres Gefährdungspotential ausgeht, wöchentlich vor Kontrollen gewarnt werden und Geschwindigkeitsüberschreitungen per se als Kavaliersdelikt, bzw. Normalität gewertet werden, wenn sie in irgendeinem „Toleranzbereich“ stattfinden. Ebenso wie Ihre Beamten sich ausschließlich als „für den ruhenden Verkehr nicht zuständig“ fühlen, wenn das, was unsere Stadt „uns“ als „Infrastruktur“ anbietet und dessen Nichtbenutzung Ihre Beamten gehörig sanktionieren, von Blechkarossen zugeparkt und sonst generell in einem erbärmlichen Zustand ist.

„Wir“, Herr Mathies, sind zudem der Meinung, daß ein Polizeipräsident, der zu in der ganzen Stadt rasenden Kraftfahrzeugen sagt, „Wenn Verkehrsteilnehmer Vorschriften partout nicht einhalten wollen, weiß ich nicht mehr, was Polizei noch mehr tun soll.“, seine Arbeit nicht richtig macht.

„Wir“, Herr Mathies, kennen Kreuzungen, an denen Radfahrer bis zu 7 Ampeln passieren und mehrere Minuten warten müssen, um gerade einmal 100 Meter geradeaus zu fahren – „wir“ glauben, daß selbst Ihre Regelakzeptanz geringer werden würde, würde man Ihnen -gar regelmäßig- solch eine „Struktur“ vorsetzen und sogar noch als „notwendig“ und „sicher“ verkaufen.

„Wir“ fahren Fahrrad! Am Freitag, den 24. Februar 2017, ab 17:30 Uhr, Rudolfplatz. Kommt nüchtern und mit Wut in den Beinen!

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7 Kommentare zu Die Polizei versagt …. wir sind Schuld! Und fahren trotzdem: Freitag!

  1. Arti sagt:

    Danke! Kann ich so unterschreiben, auch für Bergisch Gladbach

  2. markus sagt:

    danke! 100% zustimmung!

  3. Jens sagt:

    Das musste mal kundgetan werden ! Danke.
    Aber, ich komme weder mit Wut in den Beinen, noch im Bauch…
    …ich komme um Spaß zu haben und nette Leute zu treffen !
    Und den Polizisten, die auf den Fahrrädern mitfahren kann ich bisher nichts vorwerfen.
    Schöne Grüße aus Düren

  4. Art sagt:

    Ich bin im letzten Jahr dreimal mitgefahren und habe die mitfahrenden Polizisten als sehr angenehm und hilfreich erlebt.

    • Marco sagt:

      Mag sein. Sie sind aber nun mal nicht nötig.

    • Markus sagt:

      Dem kann ich mich nur anschließen. War auch schon mehrfach bei der CM dabei.
      Die Polizei stört mich nicht im geringsten. Ich empfinde ihre Anwesenheit sogar als angenehm.

      Der Großteil von Autofahrern und Fußgängern ist mit dem Model „Konvoi fahren“ schlichtweg überfordert. Die rechtliche Belehrung durch die Polizei wirkt wesentlich besser, als wenn ein mit Warnweste ausgestatteter Fahrradfahrer diese Rolle übernimmt.

    • Thomas Kahlix sagt:

      Ich unterstelle mal, daß die an der Critical Mass teilnehmenden Polizistinnen/Polizisten erheblich besser sensibilisiert sind für die Situation des nichtmotorisierten Verkehrs – allein schon aufgrund ihrer täglichen Praxis. Aber es geht hier ja nicht um die Rolle der Polizei innerhalb einer CM

      Der Artikel bezieht sich dagegen auf den Alltag. Und da sind überwiegend motorisierte Streifen unterwegs, die selten bereit sind, die Radlerbelange unvoreingenommen und gleichberechtigt mit denen des MIV abzuwägen, wie es aber ihre Pflicht wäre. Außerdem fehlen ihnen viel zu oft die nötigen rechtlichen Basiskenntnisse, was oben ja auch kritisch bemängelt wird und zu Fehlentscheidungen führt.

      Genau hier müßte der Polizeipräsident aktiv werden und nachbessern.
      Und nicht den ohnehin schwächsten den Schwarzen Peter zuschieben.

      Fazit: Eine nicht gerade freundliche, aber völlig berechtigte Klarstellung!

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